Seit 2005 studiere ich an der Frankfurter Goethe Universität. Seit dem wähle ich auch brav jedes Jahr bei den Wahlen zum STUPA (Studierendenparlament). Ich hatte die Hoffnung, dass sich der AStA um die Belange aller Studierenden kümmern würde. Doch wie ich leider feststellen musste, ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Schon seit Jahren gibt es eine deutlich linke Mehrheit im Parlament. Damit könnte ich ja leben wenn es nicht immer wieder zu Exzessen kommen würde.
Viele Studierende und auch meine Wenigkeit gingen gegen die Studiengebühren auf die Straßen. Tausende beteiligten sich am friedlichen Protest. Wir glaubten was bewegen zu können. Doch dann kam alles anders!
Bereits bei der dritten uniweiten Vollversammlung gesellten sich auf Bitten des AStA Redner der Antifa auf das Podium und sprachen vom Krieg gegen den Kapitalismus, von der Auflösung des Systems usw. Vermehrt gesellten sich Anhänger des Schwarzen Blocks und gewaltbereite Autonome unter die Studierenden. Ein friedlicher Protest war von da an nicht mehr möglich. Das Auftreten dieser Gruppen bedeutete auch für mich das Ende meiner Beteiligen bei den Protesten. Fortan wurden Flaschen geworfen, Container in Brand gesetzt und zahlreiche Steine geworfen. So eine Form des Protestes wurde von der breiten Masse der Studierenden entschieden abgelehnt. Der AStA jedoch sprach weiter von beispiellosen Erfolgen und ungebrochen großen Andrang bei seinen Versammlungen. Ich weiß nicht ob sie nicht zählen konnten oder einfach nur schlecht sahen aber in Folge der Radikalisierung beteiligten sich von ehemals 10.000 Demonstranten nun mehr keine 500 an der Protesten. Ich weiß nicht ob der Schachzug, sich mit Autonomen und Linken zu verbünden sehr schlau gewesen ist. Kein Wunder, dass die Wahlbeteiligung bei den STUPA-Wahlen immer weiter sinkt. Wir haben strukturell keine linke Mehrheit an der Uni und in der Zukunft wird das deutlicher werden.
Und das ist sehr schade. Denn eigentlich erfüllt der Allgeime Studierendenausschuss wichtige Aufgaben an der Universität und könnte ein großer Dienstleister für die Belange der Studierenden sein. Zu nennen sind hier eindeutig die Beratungsangebote oder die Verhandlungen um das Semesterticket.
Ihr fragt euch jetzt sicher, warum ich gerade jetzt etwas über den AStA

an der Uni in Frankfurt schreibe.
Mit Flyeren und auf seiner Internetseite wurde auf die am 26. November anstehende Vollversammlung aufmerksam gemacht. Das Motto lautete: "We Can Do It Again".
Der Grund für die Versammlung war nach eigenem Bekunden folgende Situation: "
Am 3.11.08 wurde bekannt, dass vier Abgeordnete der geplanten Regierungsbildung unter Andrea Ypsilanti nicht zustimmen werden. Die Folge dieser Entscheidung sind ein Scheitern der geplanten neuen Regierung und Neuwahlen im Januar 2009. Was hat das für Konsequenzen für mich als Studi?"
(
Link zum Volltext)
In meinen Augen hat sich der AStA längst von seinen ureigenen Aufgaben entfernt und bertreibt nur noch Wahlkampf für die linken Kräfte in unserer Republik. Ein solches Verhalten ist angesichts der Kernaufgaben des AStA, der Vertretung studentischer Interessen, aufs schärfste zu kritisieren.
Leider blieb es nicht bei friedlichen Protesten.
Seit diesem Semester sind weite Teile des neuen Campus Westend and die Studierenden übergeben worden. Wir haben schöne neue Gebäude, moderne Technik usw. Wie bei jeder anderen Universität sollte der neue Campus fortan an Ort der Kommunikation, der Aufklärung, Toleranz und Interdisziplinarität sein. Doch leider war die Realität am Mittwoch sehr weit von diesem Ideal entfern!
Die Versammlung hat wieder einmal gezeigt, dass es eine Vielzahl von Ignoranten gibt, denen die Grundregeln des sozialen und fairen Umgangs miteinanders an der Universität nicht akzeptieren. Die Meinung anders Denkender ist in deren Augen grundsätzlich falsch. Stets geht es darum, anderen Studierenden ihre Meinung aufdrücken zu müssen.
Wer Toleranz fodert sollte selber nicht intolerant sein!
Die Schilderung der nachfolgenden Ereignisse sind dem pflasterstrand-Blog (Artikel) entnommen:
"
So hat sich nach der offiziellen Veranstaltung auf dem Campus ein wütender Mob zum “House of Finance” aufgemacht, um nichts geringeres zu tun, als zu stören, zu randalieren und linksextreme Propaganda zu verbreiten. “Den Campus in die Krise stürzen,” hat jemand an eine Wand geschmiert. Ein anderer: “Nieder mit dem Kapital”. Und im benachbarten IG-Farben-Gebäude war das altbekannte “Reclaim your campus” zu lesen. Die Aktion war natürlich gegen den alten Feind, den Kapitalismus gerichtet, den man in der Eingangshalle des HoF besonders hart zu treffen glaubte. Um das destruktive Aufbegehren auch nach außen kenntlich zu machen, benannte man das HoF kurzerhand in “Karl-Marx-Haus” um. Der alte Mann würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er mitbekäme, was für ein Schindluder mittlerweile mit seinem Namen getrieben wird. Der Gipfel der Dreistheit: Diese anmaßende Aktion lief unter dem Motto “Für Solidarität und freie Bildung” - mit beidem hatte das Szenario leider wenig zu tun.
Das Ende der Geschichte: Polizei und Feuerwehr rückten an. Die Versammlung löste sich auf, die Revolution fand wieder einmal nicht statt. Der Mob zog weiter Richtung City und machte dort von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Aber die Art und Weise wie manche dieses Recht missbrauchen, ist völlig indiskutabel. Künftig sollte man die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften genauso respektieren und in Ruhe lassen wie alle anderen auch. Finanzkrise hin oder her. Fazit: Die Goethe-Uni Frankfurt ist nach wie vor eine große Baustelle - von außen wie von innen. Und sie wird nicht dadurch schöner, dass man sie durch Aktionen wie die heutige zerstört. Ein trauriger Tag für den Campus Westend und die Uni."
Diesem Fazit kann ich mich besten Gewissens anschließen.
Bilder von den Verwüstungen gibt es hier:
Blog